Die Fahrt mit der KIRLEKING durch das ionische Meer und die Ägäis
 
Hallo liebe Segelfreunde!
Am 15. 4. verlasse ich die Gouvia-Marina auf KORFU, fahre im ionischen Meer nach Süden, umrunde den Südteil der Peloponnes und gehe am 23. 4. in der Bucht von Adamas auf MILOS vor Anker.
Hier möchte ich eine längere Pause einlegen. Der nachfolgende Bericht umfasst diesen Abschnitt meines etwa 3-monatigen Segeltörns. Aber nun schön der Reihe nach und vor allem nachstehend die Karte zur besseren Orientierung:

 

Reiseroute Erich Bichlbauer
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Die Anreise....
Am 5.4. fahre ich bei strömendem Regen mit dem Taxi zum Flughafen Schwechat. Der Taxifahrer wundert sich über mein umfangreiches Gepäck, doch leider noch mehr erstaunt ist der Beamte der Olympic Airlines am Eincheckschalter als die Waage das stolze Gewicht von exakt 60 kg(!) anzeigt, nicht eingerechnet mein etwa 12kg schweres Handgepäck (Laptop, Bücher, etc.), das ich diskret neben dem Schalter deponiere. Durch meine wortreiche Schilderung ,dass ich als Einhandsegler auf einen 3-monatigen Segeltörn gehe und daher u. a. auch „umfangreiche Sicherheits-Ausrüstung“ benötige, lässt sich der freundliche junge Beamte offensichtlich beeindrucken und nach längerer Überlegung und tel. Rücksprache (wahrscheinlich mit seinem Chef) gesteht er mir ein zu bezahlendes Übergepäck von nur 12 kg zu! Wie mir kurz darauf eine Schalterbeamtin der AUA, bei der ich das Übergepäck bezahlen muss versichert, hätte mir die „Friendly Airline“ maximal 5 kg „Gepäcksnachlass“ gewährt...!
Der Flug über Athen nach Korfu verläuft reibungslos und als ich um etwa 21 Uhr in Korfu mit einer Zeitverschiebung von 1 Stunde lande, ist es bereits finster. Ich fahr mit dem Taxi zur kleinen Werft des Herrn Spiros, die nahe dem Schiffsterminal der Stadt liegt. Hoch aufgerichtet steht die KIRLEKING eine S/Y vom Typ MARAMU (13,8 x 4,0 x 2,0m) in der Finsternis am Slipwagen - inmitten des allgegenwärtigen „Chaos“ das für eine kleine griechische Werft eben so typisch ist. Die starken Scheinwerfer des nahen Fährterminals sowie der kräftige Mondschein ermöglichen mir jedoch eine problemlose Orientierung auch ohne Zuhilfenahme einer Lampe. Ich klettere die Eisenleiter hoch und lasse ein Fall zu Boden mit dessen Hilfe ich dann über eine Winsch mein umfangreiches Gepäck stückweise hochhiefe. Nach dieser „sportlichen“ Tätigkeit, richte ich mich in der Kajüte so gut es geht häuslich ein und verkrieche mich rasch in meinen wohligen Schlafsack, denn es ist bitter kalt...!Im Einschlafen höre ich noch das plötzliche Aufkommen von Windböen begleitet von kräftigen Regenschauern und bin heilfroh es noch rechtzeitig geschafft zu haben.

Das Klarmachen des Bootes...
Nach einer guten Nacht, die nur immer wieder durch das laute, für mich noch ungewohnte Prasseln des Regens auf das Kajütdach unterbrochen wird, erscheint am Morgen um etwa 8 Uhr Hr. Spiros mit seinem Vater sowie seinem Bruder und einem Werftarbeiter. Nach herzlicher Begrüßung besprechen wir alle technischen Details der durchgeführten Servicearbeiten. Soweit ich es beurteilen kann, wurde wiederum - die KIRLEKING liegt nun schon das 6.Jahr auf dieser Werft – alles bestens erledigt und nach einem kurzen Probelauf von Motor und Generator wobei das Kühlwasser über einen Schlauch zugeführt wird ,sowie nachdem ich alle Leinen etc. angebracht und nicht ohne Stolz zum ersten Mal anstatt der bisher gefahrenen englischen Nationalen, die österreichische Flagge gesetzt habe, gebe ich Hrn. Spiros das Zeichen die Seilwinde in Betrieb zu setzen.

Auf der Spiros Werft beim zu Wasser lassen der KIRLEKING Und zurück bleibt der leere Slipwagen...

Etwa 10 min später fahre ich in Richtung der nahegelegenen Gouvia Marina. Während ich durch die durch Tonnen gekennzeichnete Fahrrinne fahre melde ich mich über UKW- Kanal 69 an. Kurz darauf kommt mir auch schon das Schlauchboot der Marina entgegen um mir einen Platz zuzuweisen.

Osterbrauch in der Stadt Korfu.....
Obwohl ich nur 3-4 Tage in der Gouvia Marina zwecks Innenreinigung des Schiffes und der Verproviantierung eingeplant habe, kann ich die Marina wegen anhaltender stürmischer Südwinde sowie der ganz allgemeinen schlechten Wetterlage erst am 15. 4. also nach 9 Tagen verlassen. Diese Zeit vergeht jedoch wie im Flug und ich unternehme auch einige Ausflüge per Roller in die Stadt Korfu. Normalerweise ist die Osterwoche in Griechenland um 1 Woche später als bei uns. Heuer fällt sie jedoch ausnahmsweise auf denselben Zeitraum. So bin ich auch am Karsamstag um punkt 1100 Uhr im Stadtzentrum zugegen um den jedes Jahr stattfindenden Brauch des „Töpfewerfens“ aus den Fenstern der Stadtwohnungen beizuwohnen. Die ganze Innenstadt ist dabei mit einer unübersehbaren Menschentraube gefüllt und die Bewohner der Häuser stehen festlich gekleidet an den oft mit Fahnen geschmückten Fenstern oder auf den Balkons. Viele Menschen sind in landesüblicher Tracht gekleidet und es herrscht eine ausgelassene Festtagsstimmung. Um Punkt 1100 Uhr beginnen die Bewohner der Häuser unter dem lauten Jubel und Beifall der Menge schon vorbereitete braune Tonkrüge aus den Fenstern bzw. von den Balkons auf die Strasse zu werfen. Dass es dabei zu keinen Verletzungen kommt, erscheint mir wie ein Wunder. Danach kämpfen sich Musikkapellen in landesüblichen Trachten gekleidet durch die applaudierende Menge. Nach etwa 2 Stunden lichtet sich diese etwas und zurück bleiben mit braunen Tonscherben übersähte Strassen und Gehsteige. Dieser Brauch ist schon sehr alt und soll angeblich bewirken, dass damit „alles Schlechte“ aus den Wohnungen ausgetrieben wird...!

Das „Töpfewerfen“ in KORFU, das jeden Karsamstag pünktlich um11 Uhr stattfindet

Treffen mit Bekannten...
Als ich am 11. 4. gerade in der Kajüte bin, ruft mich draußen jemand beim Vornamen. Es sind Rudi und Vero, ein schweizer Ehepaar von der „SEA CLOUD“, einer Halberg Rassy 52.Ich kenne die beiden nun schon seit 3 Jahren und wir halten laufend Kontakt. Sie hatten das Pech, dass ihr Boot vor 2 Jahren in der Lakka-Bucht an der N-Seite von PAXOS von einem Blitz getroffen wurde. Zum Glück ist weder ihnen persönlich, noch dem Boot selbst etwas passiert, doch waren alle aber auch wirklich alle elektrischen und elektronischen Geräte und Einrichtungen kaputt (Anlasser, Radar, Generator, Selbststeueranlage, etc., etc.).Am Nachmittag fahren wir in ihrem Wagen nach Kaspiri an der N-Seite der Insel zum Abendessen in einer Taverne.

Fahrt nach Paxos mit Hindernissen...
Am 15. 4. vormittags gegen 10 Uhr verlasse ich die Gouvia Marina mit Südkurs und Ziel Gaios auf der Insel PAXOS ( 32sm ).Bald nachdem ich die Festung der Stadt passiert habe kommt W-Wind mit 15 kn (Anmerkung: Alle Angaben über Windgeschwindigkeiten beziehen sich auch im folgenden immer auf den „Wahren Wind“) auf und ich komme dadurch gut voran. Knapp 3 Stunden später – ich befinde mich bereits nahe der S-Spitze von KORFU - bläst mir der Wind fast auf die Nase und nimmt an Stärke deutlich auf 25kn und fallweise auch darüber zu. Weiße Schaumkronen bedecken nun die See. Nach kurzer Überlegung hab ich meinen Entschluss abzudrehen gefasst.
Da es auf der E-Seite von Korfu in diesem Küstenabschnitt keinen geeigneten Ankerplatz gibt, beschließe ich bei achterlichem Wind nach NE in die etwa 7sm entfernte weite Bucht von Igoumenitsa – der nächsten Stadt am Festland – abzulaufen. Kurz vor der betonnten Einfahrt in die große Bucht reißt – verbunden mit einem lauten Knall - das Bändsel mit dem das Grossegel am Großbaumschlitten befestigt ist. Unter Motor fahre ich die betonnte Fahrrinne in die Bucht wobei mir eine der vielen Großfähren die pausenlos zwischen Igoumenitsa und der Stadt Korfu hin und herpendeln bedenklich nahe kommt - obwohl ich mich ganz nahe der durch Tonnen markierten rechten Fahrwasserbegrenzung befinde.
Ich gehe im nördlichen Teil der infolge Versandung recht seichten Bucht bei etwa 5m Tiefe vor Anker. Nach Reparatur des Großbaumschlittens bereite ich mir ein gutes Abendessen – „natürlich“ gibt’s Spagetti...! Auch auf meinem Ankerplatz bläst der Wind mit bis zu 30kn und kommt ganz überraschend immer wieder aus verschiedenen Richtungen. Aber infolge der geschlossenen Bucht und der geringen Wassertiefe können sich hier keine höheren Wellen bilden und daher ist es für mich, trotz des stürmischen Wetters, ein idealer Ankerplatz.

Einfahrt in die Bucht v. Igoumenitsa Die Außenmole v. Gaios (Paxos) Der Hafen in Gaios (Paxos)

Als ich am nächsten Morgen erwache, scheint die Sonne von einem weitgehend klaren Himmel und es ist fast völlig windstill. Rasch mache ich mich fertig und fahre gemütlich unter Maschine die ca.18sm nach PAXOS wo ich bereits um 14 Uhr an der Außenmole von Gaios, dem Hauptort der Insel, festmache. Der Hafen von Gaios ist um diese Zeit noch völlig leer. Nur etwas später treffen insgesamt 4 Yachten ein von denen 2 im Hafen und 2, so wie ich an der Außenmole festmachen. Angenehm zu vermerken ist, dass man erstmals den Verkehr (auch für Mopeds!) unmittelbar im Hafenbereich gesperrt hat, was den Aufenthalt - nicht nur für Yachten - zweifellos angenehmer macht.

Weiterfahrt nach Lefkas mit Problemen im Lefkas-Kanal....
Am 14. 4. starte ich um 0850 in Richtung Lefkas Kanal. Dieser trennt die Insel LEFKAS vom Festland. An der Kanaleinfahrt, etwa 0,5sm nördlich der Stadt Lefkas, befindet sich eine Brücke, die im Bedarfsfall jede volle Stunde für den Schiffsverkehr geöffnet wird. Ich komme pünktlich einige Minuten vor 1400 Uhr an und fahre bewusst langsam in den „Wartebereich“ vor der Brücke ein. Und da passiert es wieder – genauso wie im Vorjahr um etwa dieselbe Zeit...Rummms! - mein Kiel fährt auf etwas Hartes auf, dass das ganze Rigg erzittern lässt...! Ich bin wieder sprachlos, da ich mich praktisch in der Mitte des Fahrwassers befinde. Und jedes Mal passiert es mir nur auf der Anreise etwa Ende April und nie bei der Rückfahrt etwa Ende Juni. Meine einzige Erklärung ist die, dass der Wasserspiegel um diese Zeit eben etwas niedriger ist. Aber andererseits müsste das ja auch anderen Schiffen passieren, da mein Tiefgang von 2m ja nichts aussehrgewöhnliches ist. Wie dem auch immer sei, diese Stelle werde ich niemals (so wie ich es auch diesmal tat) mit mehr als 2kn Fahrt im Schiff passieren...!
Aber wie es so schön heißt: „Ein Unglück kommt selten allein“ – denn gleich darauf bekomme ich einen weiteren Schrecken verpasst. Kurz zur Erklärung der Brückenkonstruktion bei der Einfahrt in den Lefkas-Kanal: Diese ist zweigeteilt. Wenn nur kleine Boote durchfahren möchten, öffnet der Wärter nur den von mir aus gesehen rechten (kleineren) Brückenabschnitt. Bei größeren Booten öffnet er auch den linken (deutlich größeren) Abschnitt .Ich bin in diesem Fall ein „Grenzfall“ und bin dem Brückenwärter sehr dankbar, dass er diesmal auch den grösseren Durchfahrtsbereich freigibt. Als der Brückenwärter die Durchfahrt der zweigeteilten Brücke freizugeben beginnt indem er zuerst den von mir aus gesehen rechten (kleineren) und dann den linken (grösseren) Brückenteil öffnet, nehme ich Fahrt auf um natürlich die breitere Durchfahrt zu benützen. Auf meiner Seite bin ich das einzige Schiff und auf der anderen Seite befindet sich ebenfalls nur eine einzige kleinere englische Yacht. Diese befindet sich beim Öffnungsbeginn des grösseren Abschnitts noch auf der richtigen Seite, nimmt dann aber plötzlich aus völlig unverständlichen Gründen Fahrt auf , quert den Kanal auf die andere Seite und fährt mit voller Fahrt durch den auf meiner Seite befindlichen kleinen Abschnitt, anstatt natürlich auf der richtigen rechten Seite zu bleiben (wo sie sich ja ursprünglich befand) und den inzwischen völlig freigegebenen großen Fahrwasserbereich zu benützen. Da auch ich mich zwischenzeitlich der (großen) Durchfahrt genähert habe aber nat. auf der rechten Seite des Fahrwassers geblieben bin, liegen wir nun auf Kollisionskurs. Um einen Zusammenstoss zu vermeiden, fahre ich „ein Manöver des letzten Augenblicks“ und steuere hart auf die BB-Seite was ja eigentlich die „falsche Seite“ für ein Ausweichmanöver ist und das englische Schiff fährt nur knapp an meinem Heck vorbei. Ich sehe aber in diesem Moment keine andere Lösung und werde mich nach meiner Rückkehr bei meiner Versicherung erkundigen wie man in einem solchen Fall entscheiden würde, wenn es trotzdem zu einer Kollision gekommen wäre...!Aus den Augenwinkeln kann ich noch beobachten wie die Begleiterin des englischen Yachties die Arme zu ihm hochwirft und grüsse danach den Brückenwärter, der meinen Gruß lebhaft erwidert und dabei den Kopf schüttelt...! Dann fahre ich an der Stadt Lefkas vorbei und an der seit rel. kurzer Zeit in Betrieb befindlichen neuen Marina der Stadt.
Nach diesem Schrecken werfe ich um 1530 Uhr Anker in der Tranquil Bay gegenüber dem Ort Nidri auf LEFKAS.

3 Tage in der Tranquil Bay – nette Bekanntschaft aus Eben i. Pongau...
Die nächsten 3 Tage bleibe ich auf diesem ruhigen Liegeplatz, da einerseits das Wetter schlecht ist – es ist trübe und kalt und zusätzlich regnet es immer wieder und auch der Wind erreicht sogar in dieser bekannt ruhigen Bucht fallweise über 20kn.Ausserdem muss ich den Boden meines Schlauchboots einer umfangreichen Reparatur unterziehen, da er sich bei dessen Inbetriebnahme an zwei Stellen gelöst hat, sodass ich nur mit knapper Not Nidri erreiche um entsprechendes Reparaturmaterial bei „Georges“ - der alles hat“ zu besorgen. Zusätzlich hat auch mein Schloss zum Niedergang seinen Dienst gekündigt, da es trotz entsprechender Behandlung, ständig klemmt und ich einmal fast 5min brauche um es zu öffnen! Ich baue es aus und installiere aus einem Drahtvorlauf und Vorhängschloss ein Provisorium. Gleichzeitig schicke ich aber auch eine E-Mail an die AMEL-Werft, mit der Bitte, mir ein neues Schloss an ein Reisebüro in MILOS (das ich einem Prospekt entnehme und das ich tel. in Kenntnis setze) nachzuschicken.

Die rel. neue Marina in Lefkas Die Tranquil Bay vor Nidri auf LEFKAS Meine Freunde aus Eben i. Pongau

Am 16. 4. lerne ich in Nidri 4 sehr nette Österreicher aus Eben i. Pongau – das mir vom Schifahren her bestens vertraut ist – kennen und wir begießen unsere Bekanntschaft, die wir auch weiterhin aufrecht halten wollen mit Ouzo. Hanni u. Richard laden Ingrid u. mich zu einem Besuch auf ihrer hochgelegenen Blockhütte ein. Aber auch mit Peter und Adi wird ein Wiedersehen in Eben vereinbart.

Schönes Segeln zur W-Seite der Peloponnes... und weiter nach Methoni...
Am 18. 4. hat sich das Wetter deutlich gebessert und ich verlasse die Tranquil Bay zu dem 72sm entferntem Ziel Katakolon an der W-Seite der Peloponnes. Um etwa 1300 Uhr kommt schöner Wind von ca. 20kn aus W auf und ich rausche mit fallweise mehr als 7kn Fahrt meinem Ziel entgegen. Zum ersten Mal während dieser Reise genieße ich herrliches Segeln.
Um 1850 werfe ich Anker im Hafen von Katakolon.

Schönes Segeln von der Insel LEFKAS an die W-Küste der PELOPONNES Die KIRLEKING vor d. Festung Methoni

Am nächsten Tag scheint die Sonne, auf eine fast spiegelglatte See. Ich mache mich um 0850 auf den Weg zu dem an der S-Spitze des W-Fingers der Peloponnes gelegenen Ort Methoni, dessen Wahrzeichen eine auf das Meer hinausragende eindrucksvolle venezianische Festung ist. Etwa auf halber Strecke kommt dann doch etwas Wind auf, sodass ich raumschots –allerdings mit Motorunterstützung –rasch vorankomme und bereits um 1700 Anker in der weiten sicheren Bucht von Methoni werfe.

Von Methoni nach Pto. Kaglio - ein vergessener Wasserhahn und seine Folgen...
Ich schlafe so gut, dass ich anderntags glatt den auf 0700 Uhr eingestellten Wecker überhöre und erst gegen 0900 Uhr aufwache. Dann überfällt mich allerdings eine gewisse Hektik die leider ihre Folgen hat. Ich schalte in der Nacht immer die Süßwasserpumpe ab. Als ich in der Früh den Wasserhahn zum Zähneputzen aufdrehen will, kommt nat. kein Wasser. Ich nehme kurzerhand Zahnbürste und Zahnpasta mit in die Hauptkajüte um das gleich an der Dinette, wo sich auch der Schalter für die Wasserpumpe befindet, zu erledigen. Dann zieh ich mich - ohne zu frühstücken - rasch an und starte den Motor. Bereits um 0930 nehme ich Kurs auf Pto. Kaglio, das nahe der S-Spitze des Mittelfingers der Peloponnes liegt. Ich habe Gegenwind von ca. 10kn und fahre unter Maschine. Das Wetter ist eigenartig trübe und es sieht nach Regen aus. Die Navtex-Vorhersage lautet auf 5-6 Bft aus W/NW. Das bestätigt sich jedoch einigermaßen erst ab etwa 1300 Uhr.
Nach etwa 21/2 Stunden Fahrt fällt mir zufällig die konstant aufleuchtende Kontrolllampe am Sicherungsbord auf, die anzeigt, dass die Abwasserpumpe ständig arbeitet. Fast gleichzeitig bemerke ich, dass auch die Süßwasserpumpe immer wieder in Betrieb geht. Ich öffne automatisch die Motorabdeckung in der Bilge und stelle zu meinem Schrecken fest, dass der Motorschacht bereits voll mit Wasser ist, das – infolge der Schiffsbewegungen - schon gefährlich zum Überschwappen u. a. auf die Batteriebank neigt. Da der eingebaute (Wasser-) Alarmgeber „auf Luv“ angebracht ist hat er den längst überfälligen Alarm (durch Sirene) nicht ausgelöst!
Ich stürze zur fest eingebauten Handpumpe und pumpe das Wasser in etwa 10 min aus. Dann leuchte ich mit einer Lampe in den tiefen engen Bilgenschacht und stelle fest, dass in diesen auf etwa halber Höhe ein feiner Wasserstrahl eintritt. Sofort denke ich an meine Grundberührung im Lefkas Kanal... hatte diese eventuell doch Folgen?? Als ich gerade dabei bin diese Möglichkeit zu verwerfen, da sich das ja schon viel früher hätte zeigen müssen, durchfährt es mich wie ein Blitz.... hab ich in der Früh – als ich im Bad Zähneputzen wollte und aus dem Hahn kein Wasser kam, diesen auch wirklich wieder ganz geschlossen?? Ich sause in die Achterkajüte, wo mir bereits feuchte Luft aus dem Bad entgegenschlägt...! Ich hatte in meiner Hektik den Hahn nicht (ganz) geschlossen und es lief daher pausenlos Wasser aus. Da der Hahn noch dazu etwas auf „warm“ gestellt war, war es noch dazu ziemlich heiß...! Ergebnis dieser Unaufmerksamkeit: Ca. 200 l weniger Wasser im Tank plus zusätzlich eine defekte Bilgepumpe, die diese Tortur entsprechend quittiert hat...! - Ein weiterer Kommentar ist wohl überflüssig...!
Als kleine Aufmunterung zu meinem seelischen Tief setzt jedoch schöner achterlicher W-Wind um die 20kn ein und ich rausche nur mit dem Groß, das ich durch einen dichtgeholten Bullenstander abgesichert habe, mit gut 7kn meinem Ziel entgegen. Als ich mich gegen 17 Uhr dem Kap Tainaron nähere, reffe ich – trotz abflauenden Windes – das Groß stark ein, da dieses Kap (genauso wie das Kap Maleas an der S-Spitze des östl. Fingers) ungemein heimtückisch hinsichtlich urplötzlich auftretender Fallböen ist. Kaum hab ich das Kap umrundet, fallen schlagartig auch wieder einige Böen ein, erreichen aber „nur“ etwa 20kn.

In Pto. Kaglio auf der Halbinsel Mani...
Kurz darauf werfe ich in der kleinen Bucht Pto. Kaglio in der sich 3 Tavernen und ein paar großteils unbewohnte Häuser befinden meinen Anker. Bald danach genieße ich in meiner Lieblingstaverne (wieder einmal) den besten gebratenen Fisch auf meiner bisherigen Reise. Sogar die Gräten sind so knusprig, dass für das schnurrende Kätzchen zu meinen Füssen fast nichts mehr übrig bleibt.

In der Bucht v. Pto. Kaglio Der Kapitän und das Schiff in der Bucht „Festungsähnliche“ Häuser auf MANI

Am nächsten Tag – es ist der 22. 4. und regnerisch trüb – will ich westwärts zu der nur ca. 30 sm entfernten Insel ELAFONISOS, die sich nahe dem östlichen Finger der Peloponnes befindet. Es bleibt mir daher ausreichend Zeit mir endlich wieder einmal die Füße zu vertreten und ich mache einen etwa 2 – stündigen Ausflug auf die umliegenden Hügel. Pto. Kaglio liegt auf der Halbinsel Mani auf der früher einmal ähnliche Zustände wie auf Sizilien oder Korsika hinsichtlich „Blutrache“ und Kämpfe zwischen den einzelnen Familienclans geherrscht haben. Das ist auch heute noch an den in der Gegend verstreuten einzelnen Häusern zu erkennen, die ein festungsähnliches z. T. mit Schiessscharten versehenes Äußeres aufweisen, die aber jetzt häufig verlassen sind. Mani ist auch bekannt für sein gutes Olivenöl, das auch bei uns in Supermärkten angeboten wird.

Reparatur der Seewasserpumpe auf der Elafonisos Insel....
Nach einem letzten kurzen Imbiss in „meiner“ Taverne, mache ich mich gegen 14 Uhr auf den Weg und werfe um 1730 Uhr Anker in der E-Bucht der ELAFONISOS Insel. Am nächsten Morgen bläst es kräftig aus NE und ich bin gezwungen – noch vor dem Frühstück – meinen Ankerplatz in die S-Bucht der kleinen Insel zu verlegen und mache mich dann endlich daran die Bilgepumpe zu reparieren. Nachdem ich die entsprechenden Stauräume ausgeräumt habe und die Plicht wieder einmal einem Trödlerladen gleicht, spiele ich Verrenkungskünstler und begebe mich in „den unterirdischen Teil des Schiffes“. Da die Pumpe zwar läuft aber kein Wasser fördert, nehme ich an dass die beiden Gummiklappen nicht mehr richtig abdichten oder dass die Membran beschädigt ist. Ich ersetze die Klappen, nicht jedoch die Membran die noch sehr gut aussieht und bau die Pumpe wieder ein. Wieder dasselbe Phänomen. Die Pumpe läuft, fördert aber nicht! Wieder Ausbau und neuerliches Zerlegen. Ich teste die Pumpe in der Kajüte sowohl im geöffneten als auch im zusammengebauten Zustand. Sie läuft einwandfrei und durch Verschließen der Ansaugöffnung mit der Hand kann ich auch Sog feststellen...! Es ist zum verzweifeln! Hat vielleicht der Motor zu wenig Leistung? Ich hab auch einen solchen in Reserve an Bord. Als ich mir genauer ansehe wie ich den Motor demontieren kann, kommt mir vor, dass der Mitnehmer auf der Motorwelle offensichtlich nicht richtig fest sitzt. Ich drehe an den Klemmschrauben – und tatsächlich – sie sind nicht ganz fest angezogen!! Dadurch hat sich die Motorwelle - nur unter Belastung(!) - d. h. wenn Wasser eingetreten ist leer durchgedreht und es kam keine Förderung zustande...!
Auf der einen Seite ärgere ich mich, mehrere Stunden mit diesem Problem vergeudet zu haben, andererseits kommt aber auch so etwas wie Selbstzufriedenheit auf wieder einmal eine schwierige Situation gemeistert zu haben.

Weiter nach Milos...
Am darauf folgenden Tag – es ist der 23. 4. – breche ich bereits um 0700 Uhr auf, um die ca.75 sm nach MILOS zu bewältigen. Es ist – endlich einmal – ein strahlend sonniger Tag. Bis zum Kap Maleas, das ich um 0840 erreiche, ist nur wenig Wind. Dafür setzt aber reger Schiffsverkehr ein, da dieses Kap der „Wendepunkt“ für alle aus dem saronischen Golf bzw. aus dem N kommenden und ins westliche Mittelmeer weiterfahrenden Schiffe ist – und ich muss höllisch aufpassen. Bald danach brist es auf 15 und 18kn auf. Da der Wind jedoch ziemlich genau aus N kommt, kann ich Fock und Groß setzen. Der Wellengang ist jedoch so stark, dass ich – um gut weiterzukommen – den Motor mit 1800 U/min mitlaufen lasse. Dadurch erreiche ich – trotz des ausgeprägten Wellengangs gegenan - eine Geschwindigkeit von 7kn und da der Wind mit gleich bleibender Stärke und Richtung bis MILOS anhält kann ich schon um 1820 in der weiten und sicheren Bucht von Adamas den Anker fallen lassen. Dann fahre ich mit dem Beiboot an Land, suche das Reisebüro bei dem ich um Deponierung meines Schlosses gebeten habe auf – und – es ist tatsächlich da. Der Chef selbst übergibt es mir und ist selbst ganz angetan davon, dass er mir diesen Dienst erweisen konnte.

Das Kap MALEAS am E-Finger d. P. Adamas auf MILOS Die Bucht v. Adamas
Am nächsten Tag besuche ich die an der Mole liegende S/Y „MELLOW“ mit belgischer Flagge, die ich auf meinem Weg nach MILOS – kurz nach dem Kap Maleas – überholt habe (wir haben uns gegrüßt).Der Skipper und Eigentümer sowie ein Ehepaar, alle etwa in meinem Alter, sind Franzosen. Sein Schiff ist eine „uralte“ -äußerlich verkommene- jedoch offensichtlich sehr seetüchtige Stahlslup und wiegt 16t und damit um ca. 2t mehr als die KIRLEKING obwohl sie ziemlich genau gleich lang ist. Christian erklärt mir – was ich bisher nicht wusste – dass viele Franzosen ihre Schiffe in Belgien registrieren lassen, da dort „alles einfacher und auch billiger“ ist. Unser Gespräch an Bord ist so anregend, dass wir uns auch zum Abendessen verabreden.
Ich bleibe insgesamt 5 Tage in MILOS, mache kleine Ausflüge, erledige „kleinere Bastelarbeiten“ und – last not least – beginne mit meinem Törnbericht. Das Wetter während dieser Zeit ist wechselhaft. In der Früh meist diesig und regnerisch und untertags kämpft sich dann doch fallweise die Sonne durch.
Am Donnerstag den 29. 4. hat sich das Wetter deutlich gebessert und auch das Barometer hat einen Sprung nach oben – auf 1016,3 hP – gemacht, sodass ich um 1145 den Anker lichte, um nach SERIFOS aufzubrechen....!

Liebe Grüsse
Erich Bichlbauer

Kommentare  

0 #2 Dieter Sendker 2004-06-08 00:05
Hi Don Eric ! Deine Berichte werden immer besser auch wegen der Fotos. Auch mir ist schon mal der Motorraum vollgelaufen und es beruhigt mich, daß auch ander grosse Seebären nicht perfekt sind. Bis zum nächsten Treffen. Dieteropoulos
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0 #1 Papillon2/UYCNs 2004-05-26 15:03
Lieber Erich, durch Zufall bin ich auf Deinen Artikel gestoßen, den ich mit goßem Interesse lese. Ich wünsche Dir weiterhin einen guten Törn und hoffe laufend von Dir zu lesen. Mast und Schobruch und die berühmte Handbreit unter dem Kiel! Alles Liebe Helfried, leider noch immer im Büro
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