Die Fahrt mit der KIRLEKING von Milos nach Nisyros

Hallo liebe Segelfreunde!
In meinem 1.Törnbericht beschrieb ich wie es mir auf meiner Fahrt, die ich am 12. 4.in KORFU begonnen habe, bis zur Abreise aus MILOS am 29. 4. ergangen ist.

Dieser 2. Törnbericht beschreibt meine Erlebnisse auf dem Weg von MILOS nach N bis zur
CHALKIDIKE und dann weiter bis zur Vulkaninsel NISYROS im Dodekanes von wo aus ich am 31. 5. in die Türkei weiterfuhr. Aus der nachstehenden Karte ist die Route der KIRLEKING von KORFU bis NISYROS ersichtlich.

Reiseroute Erich Bichlbauer
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Am 29. 4. verlasse ich MILOS bei strahlendem Sonnenschein und wenig Wind. Ich fahre unter Motor die rund 25sm bis SERIFOS und gehe um 1625 in der Bucht von Livadion, dem Hauptort der Insel, vor Anker. Wieder einmal bin ich von der imposanten Kulisse der Chora dieser Insel beeindruckt die von zahlreichen grell weißen Häusern, kleinen Kirchen und Kapellen gebildet wird und die wie die Trauben einer Weinrebe auf dem hochgelegenen steilen Hang kleben. Am nächsten Tag steige ich in etwa einer Stunde zur Chora hinauf. Es ist jedoch diesig und oben angekommen, bläst ein starker kalter Wind.

Ein 1. Mai mit Hindernissen und einem gehörigen Schrecken...
Am Samstag den 1. Mai lacht jedoch wieder die Sonne von einem strahlend blauen Himmel. Trotz der Feiertagsstimmung haben fast alle Geschäfte offen, da die Insel jetzt vor allem von einheimischen Touristen besucht wird. Mehrere Fähren laufen ein und eine ganze Flotte von etwa 15 Schlauchbooten kommt direkt aus Athen.
Ich helfe einer kleinen Charteryacht – bis dahin der einzigen S/Y an der Mole - beim Anlegen und komme daraufhin mit der Besatzung – es sind 3 nette Engländer – ins Gespräch. Spontan fasse ich den Entschluss die KIRLEKING ebenfalls an die Mole zu legen und bitte um Hilfe beim Anlegen, da inzwischen stärkerer N-Wind aufgekommen ist. Ich fahre rasch mit dem Schlauchboot zur KIRLEKING, befestige es an der Reling und kurz darauf steuere ich auf den Hafen zu. Leider hab ich das Dingi offensichtlich etwas zu kurz an die Leine genommen und bin auch wahrscheinlich etwas zu schnell unterwegs, denn plötzlich hebt ein starker Windstoss das 3m lange Boot fast senkrecht aus dem Wasser und indem es einen gewaltigen Salto vollführt liegt es plötzlich verkehrt auf der Wasseroberfläche, sodass der Motor komplett im Wasser verschwindet....!Nur mit großer Kraftanstrengung kann ich das Boot vom Deck der KIRLEKING aus wieder umdrehen, wobei ich mich fest an die Reling klammere. Der Motor ist zwar nur kurz – etwa 1-2 Minuten lang – unter Wasser gewesen aber das genügt natürlich um ihn außer Gefecht zu setzen sowie auch um bleibende Schäden zu verursachen, wenn nicht „sofort gehandelt wird“.

Die Chora v. Livadion (SERIFOS) Häuser auf d .Chora Die Bucht v. Livadion (Blick nach S)

Kaum hab ich die KIRLEKING vertäut, vertiefe ich mich daher sofort in das Kapitel „Motor über Bord“ im Buch von Donat über Außenborder. Ich befolge alle Ratschläge so gut ich das bewerkstelligen kann ...und nach etwa einer Stunde intensiver Bemühungen, springt der Motor wirklich wieder an! Ich bin überglücklich und fahre sofort eine „große Ehrenrunde“ im Hafen.
Während ich mich noch um den Motor kümmere, höre ich plötzlich durchdringendes Geschrei und lautes Stimmengewirr...auf Italienisch! Eine große etwa 18m lange S/Y mit italienischer Flagge und etwa 15 oder sogar mehr Personen an Bord läuft ein und legt sich direkt neben mich. Kaum hat man festgemacht, verlassen die Erwachsenen das Schiff und zurück bleiben etwa 6 Kinder die sofort einen Höllenlärm verursachen. Radio und Fernseher laufen auf vollen Touren...! So spontan ich den Entschluss gefasst habe mich an die Mole zu legen, so spontan treffe ich jetzt die Entscheidung diese wieder zu verlassen. Ich hol die Gangway ein und da beide Heckleinen ohnehin „auf Slip“ gelegt sind, dauert es etwa 2 Minuten bis ich frei bin. Der starke Rückenwind schiebt mich von der Mole weg und ich muss sogar etwas „Retourgas“ geben um ja nicht mit dem Rumpf über die Ankerkette zu fahren. Der Anker kommt problemlos hoch und ich richte den Bug bereits nach BB in Richtung der offenen Bucht. Nun erst lege ich den Vorwärtsgang ein und gebe Gas....aber es rührt sich nichts und ich muss mit Schrecken feststellen, dass das Boot keine Fahrt aufnimmt...!Während ich behutsam versuche den Vorwärtsgang doch noch zu aktivieren, treibt die KIRLEKING unaufhaltsam mit ihrer Breitseite in Richtung der knapp 100m entfernten Hauptmole, wo auch die Fährschiffe anlegen. Meine letzte Rettung sehe ich in einem Ankermanöver...aber was dann? Als ich schon den Finger am Wippschalter zum Anker - fallenlassen habe, versuche ich noch ein letztes Mal den Vorwärtsgang einzulegen. Wieder nichts, doch als ich trotzdem Gas gebe um danach den Hebel wieder auf neutral zu stellen, macht es plötzlich „klack“ und der Gang fällt hinein ...und mir ein Stein vom Herzen....! Nach diesem Schockerlebnis wähle ich nun behutsam den Ankerplatz in der Bucht so aus, dass ich notfalls (bei N-Wind) ohneweiters auch nur unter Segel den Hafen verlassen könnte...! Am Ankerplatz überprüfe ich den Seilzug zum Getriebe sowie dessen Ölstand und hole dsbzgl. auch die einschlägige Fachliteratur „Dieselmotoren auf Yachten, ebenfalls von Donat, zu Rate – kann aber keinen Fehler entdecken.

Delfine ....gern gesehene Begleiter auf einem Törn!

Auf zur Chalkidike.....
Für mich ergeben sich 2 Tatsachen: Erstens muss ich möglichst rasch eine Werkstätte aufsuchen und zweitens muss ich auf dem Weg dorthin meine Ankerplätze so auswählen, dass ich in keine gefährliche Situation – so wie heute - kommen kann.
Da ich mit den Marinas im Bereich von Athen aber auch mit der Olympic Marina in Lavrion schon schlechte Erfahrungen gesammelt habe, beschließe ich auf kürzestem Weg die Marina Porto Carras am Mittelfinger der CHALKIDIKE, die ich ja ohnehin, v.a. wegen meines Freundes Dieter besuchen möchte anzulaufen und wo mir „Angelo“ ,ein tüchtiger Mechaniker, schon einmal (im Jahr 2001) bei einem Problem des Kühlkreislaufs effizient geholfen hat.
Die Windvorhersagen sind für mein Vorhaben relativ günstig und so starte ich am nächsten Tag mit Ziel Gavrion auf der Insel ANDROS. Da der Wind jedoch untertags auf fast 20kn zulegt und dazu aus NE kommt, laufe ich die mir schon gut bekannte Ankerbucht Kastries an der SW – Seite von EUBÖA an, die für mich leichter erreichbar ist. Weder beim Wegfahren aus Livadion, noch während der Fahrt wiederholt sich das „Getriebeproblem“ – Gott sei Dank! In der netten Ankerbucht bin ich - abgesehen von einem Fischer - ganz allein.
Am nächsten Morgen wache ich schon um 4 Uhr früh auf und beschließe kurzerhand gleich loszufahren. Da fast Vollmond ist habe ich kein Problem die enge Ausfahrt aus dieser Bucht zu passieren und nehme Kurs nach N. Es ist beinahe völlig windstill und die See ist, abgesehen von einer starken Dünung, ziemlich glatt, sodass ich unter Motor mit 6,5 kn Fahrt gut weiterkomme. Es ist jedoch kalt und sehr feucht aber um etwa 0700 geht die Sonne auf und es kündigt sich ein strahlend schöner Tag an. Ich habe mir bereits ausgerechnet, dass ich unter diesen günstigen Bedingungen ohne weiters die SW-Bucht Panagiaauf der knapp 90sm entfernten Insel PELAGONISI in den nördlichen Sporadenerreichen kann. Das hat für mich auch den Vorteil, dass ich diese sichere Bucht von meinem letzten Törn (s. meinen diesbezüglichen 2.Törnbericht 2003) gut kenne.

Ein Fischtrawler in voller Fahrt 11 größere Schiffe in meiner Nähe...! „Klare Linien“ eines Frachtschiffes

Ein mysteriöses Ereignis...
Auch tagsüber herrscht weitestgehend Windstille aber zum Sonnenbaden an Deck ist es trotzdem zu kalt. Ich verbringe daher viel Zeit damit, am Laptop an meinem 1.Törnbericht weiter zu arbeiten, als es gegen 1100 plötzlich einen lauten Knall gibt und ein starkes Vibrieren durchs Schiff geht.
Ich sause aus der Kajüte ins Cockpit, kann aber nichts entdecken. Die See ist völlig ruhig und windstill. Plötzlich ist aber der Radarschirm (ich fahre auch untertags immer mit Radar und mit eingeschaltetem Radaralarm, sofern ich entsprechend weit von der Küste entfernt bin) mit vielen Punkten versehen und meine Alarmsirene heult ununterbrochen auf. Mir ist das ganze ein unerklärliches Rätsel...!
Zum Glück bleibt das alles aber eine Einzelerscheinung und auch die Fehlanzeigen am Radarschirm verschwinden wieder. Ergänzend dazu sei aber erwähnt, dass bei dem von meinem Navtex – Empfänger laufend erhaltenen Mitteilungen bzgl. Wetter- und Windvorhersagen beinahe täglich auch über Militärübungen auf See berichtet wird. Ob diese Erscheinung mit einer solchen Übung in Zusammenhang steht?
Schon um 1800 erreiche ich meine Ankerbucht auf der Insel PELAGONISI und ich verbringe in dieser stillen und unbewohnten Bucht eine ruhige Nacht.
Am 4.5. breche ich um 0800 bei trübem Wetter und 10-15 kn Wind aus W zur 50 sm entfernten Marina Porto Carras auf. Kurz vor der Ankunft um 1500 regnet es kurzzeitig etwas kräftiger und ich freue mich darüber, da die KIRLEKING dadurch von der feinen rotbraunen „Afrikanischen-Staubschicht“ die sich wieder einmal gebildet hatte, weitestgehend befreit wird.

Die schöne aber nur wenig belegte Marina in Porto Carras Hier fand 2003 der „EU-Gipfel“ statt

Aufenthalt in der Marina Porto Carras auf der CHALKIDIKE...
Nach herzlicher Begrüßung durch Dieter – einem jetzt ebenfalls in Ruhestand befindlichen Deutschen der seit über 30 Jahren in Griechenland lebt und mit einer Griechin verheiratet ist – kommt Angelo ,der Mechaniker, an Bord und wir besprechen das Getriebeproblem. Nach kurzer Inspektion meint er, dass mit Sicherheit Teile des Getriebes das mehr als 20.000 sm ohne Reparatur in Betrieb war nun verschlissen sind. Er bietet mir eine Generalreparatur an und meint, dass das Getriebe dann wieder „so gut wie neu“ ist. Er kann die Reparatur innerhalb von max. 3 Tagen durchführen obwohl einige Teile aus Athen bestellt werden müssen. Nach meinem Einverständnis macht er sich noch am selben Abend an den Ausbau des Getriebes.
Die in schöner landschaftlicher Umgebung gelegene Marina Pto. Carras mit ihren neuen vollausgerüsteten Anlegestegen (Wasser, Strom etc.) ist nur ungenügend ausgelastet. Der Grund dafür dürften zum Teil in letzter Zeit stark erhöhte Liegeplatzgebühren sein, die manche Boote zum Verlassen der Marina veranlasst haben. Auch die Serviceeinrichtungen sind nicht optimal und viele Boote fahren beispielsweise in die Türkei um Reparaturen oder z.B. auch nur einen Unterwasseranstrich durchführen zu lassen.
Die nächsten 3 Tage – es ist teilweise regnerisch - vergehen wie im Flug. Ich bin natürlich viel mit Dieter aber auch mit zwei deutschen Ehepaaren die ihre Boote in Pto. Carras liegen haben, sowie auch "Freddy – einem schweizer Original“ beisammen. Unter anderem mache ich gemeinsam mit Dieter per Motorrad und Auto aber auch allein zu Fuß, Ausflüge in die nahegelegene Stadt Nea Marmara. Bekanntlich fand im Juni vergangenen Jahres in Pto. Carras ein Gipfeltreffen der EU-Staatschefs statt. Da das Gebäude in dem das Gipfeltreffen stattfand im Marina – Areal liegt, wurden von den griechischen Sicherheitsorganen sämtliche Boote genauestens untersucht. Boote, deren Eigner nicht anwesend waren, wurden ohne rechtzeitige Vorankündigung der Betroffenen aufgebrochen...und in diesem Zustand belassen(!) – darunter auch das Boot von Renate und Peter, eines der beiden deutschen Paare! Auf Drängen von Dieter, der meine Segelvideos kennt, führe ich an einem der Tage auf der KIRLEKING mein Video über den „Griechenlandtörn 2001“ vor und freue mich darüber, dass es allen wirklich gut gefällt. Peter steigert sich sogar zu der Aussage, dass er noch nie ein so gutes Video über einen Segeltörn gesehen hat und nachdem er das sogar mehrmals bekräftigt, darf ich es sogar ernst nehmen.

Dieter in seinem Schlauchboot Besuch auf der KIRLEKING Angelo bei der Arbeit im Motorraum

Am 7. 5. ist es erstmals „angenehm warm“ und ich gehe an dem nahegelegenen schönen Strand schwimmen. Das Wasser ist jedoch mit etwa 18°C noch sehr kalt. Um 1500 kommt Angelo mit dem reparierten Getriebe an Bord und arbeitet dann mit Unterbrechungen am Einbau desselben bis etwa 2200 abends. Da ich am nächsten Tag die Marina verlassen will, verabschiede ich mich von Dieter und dessen Frau, da sie ebenfalls zu einem Wochenendtörn gemeinsam mit Verwandten auslaufen.
Am Samstag den 8. 5. kommt der bereits am Vortag bestellte Tankwagen pünktlich um 0800 und um 1400 verlasse ich die Marina um mich mit Renate und Peter auf ihrem Pajot-Katamaran in der nahegelegenen Ankerbucht Koupho zu treffen wo ich von ihnen zu einem köstlichen Fisoleneintopf mit Hammelfleisch eingeladen werde. Als ich um 1500 in Koupho Anker werfe, muss ich leider feststellen, dass das Getriebe im Retourgang fallweise ein quietschendes Geräusch von sich gibt. Sofort rufe ich Angelo an, der mir verspricht am nächsten Tag (Sonntag!) um etwa 1000 mit seinem Auto nach Koupho zu kommen. Tatsächlich kommt er dann und hantiert noch einmal am Getriebe. Er kann das Geräusch beseitigen und es tritt auch nach einer ausgiebigen Probefahrt in der großen Bucht nicht mehr auf. Ich bin zwar etwas misstrauisch – aber was bleibt mir über – ich will nun definitiv meine Fahrt fortsetzen, bereue es aber im Nachhinein, mich nicht doch für ein neues Getriebe entschieden zu haben, das allerdings um etwa 50% teurer gewesen wäre...! Anschließend mache ich mit der KIRLEKING noch einen kleinen Ausflug entlang der E-Küste des Mittelfingers der Chalkidike bis zur Bucht Kalamitsi, doch leider trübt sich das Wetter ein und in die Bucht steht starker Schwell, sodass ich gleich wieder die etwa 15 sm nach Koupho zurückfahre um dort eine ruhige Nacht zu verbringen.

Weiterfahrt zur Insel LIMNOS...
Am Montag den 10.5. breche ich bereits um 0640 auf um zur 60 sm entfernten Insel EUSTRATIOS zu fahren. Ich will diese Insel, die völlig abseits der üblichen Routen im N der Ägäis liegt, kennenlernen – nicht zuletzt auch deshalb, weil Dieter mir das empfohlen hat. Das Wetter ist zwar relativ gut, doch habe ich nicht nur den Wind mit ca.15 kn genau auf die Nase sondern v.a. einen ziemlich starken Wellengang gegenan und komme demnach mit nur etwa 5,5 kn ziemlich langsam weiter. Nach etwa einer Stunde habe ich genug und drehe mit Kurs auf die große tief einschneidende Ankerbucht Kondia im S der Insel LIMNOS ab. Dieser neue Kurs ist wesentlich angenehmer und mit gesetztem Groß und Motorunterstützung laufe ich 6,5 – 7,0kn. Bereits um 1500 erreiche ich die eindrucksvolle im gleißenden Sonnenlicht erstrahlende gebirgige S-Seite von LIMNOS und suche mir für einen kurzen Badeaufenthalt eine „Nische“ in der weiten, über Kondia-Bucht vorgelagerten Ankerbucht Pavlou. Ich finde ein von Felsen umgebenes Plätzchen und genieße das glasklare jedoch mit etwa 18°C noch sehr frische Wasser.

In der Kondia- Bucht auf LIMNOS Im nahen „Hinterland“ dieser Bucht Im Süden v. LIMNOS

Das eindrucksvolle „Hinterland“ der Kondia - Bucht...
Nach etwa 2 Stunden schwimmen und faulenzen rufe ich am Handy Renate und Peter an, die ebenfalls nach LIMNOS – allerdings in den Hafen Myrina – wollten. Zu unser beider Freude liegen auch sie in der Kondia-Bucht, nachdem sie Myrina wegen Problemen mit dem Liegeplatz kurze Zeit vorher verlassen hatten. Gegen 1800 laufe ich dann in die weite und sichere Ankerbucht Kondia ein und damit zu einem Wiedersehen mit meinen Freunden. Gemeinsam machen wir einen kleinen Ausflug „in das Hinterland“ der Bucht und stellen mit Erstaunen fest wie schön diese Gegend ist. Wir wandern auf einem einsamen Weg umgeben von Knie hohem frischen Gras das mit Blumen übersäht ist und gelangen auf der anderen Seite zu einer Einbuchtung wo im warmen Licht der sinkenden Sonne einige kleine farbenfroh gestrichene Fischerboote dümpeln und die Wiesen fast bis ans Wasser reichen. Es ist eine „Bilderbuchlandschaft“ und würde wahrscheinlich jeden Maler zu einem Stilleben animieren. Unser Blick schweift über den weiten Golf von Moudros nach NE bis zur weit entfernten Einfahrt in die Bucht zum gleichnamigen Ort. In einem meiner Törnführer wird die Kondia-Bucht mit dem Vermerk „öde“ bedacht. Um das zu widerlegen, muss man sich der Mühe unterziehen das Boot zu verlassen und ein paar Schritte gehen...!
Am Abend lade ich Renate und Peter zu einem Spagettiessen auf die KIRLEKING ein und versuche auf diese Weise mich ein wenig für das vorzügliche Essen auf ihrem Schiff in der Koupho-Bucht zu revanchieren.

Weiterfahrt zu den Inseln LESBOS und CHIOS...
Ich verabschiede mich am nächsten Tag von meinen Freunden und breche bei herrlich schönem Wetter und E-Wind von 10-15kn nach Sigri an der W-Küste von LESBOS, der nach Kreta und Euböa, drittgrössten Insel in der Ägäis auf. Unter vollen Segeln und etwas Motorunterstützung laufe ich rund 7kn und lasse bereits um 1630 meinen Anker in der netten Bucht vor dem Ort Sigri im Anblick dessen Festung fallen. Ich bummle durch den noch nicht vom Touristenstrom vereinnahmten Ort, kaufe etwas Gemüse ein und esse in einer netten Taverne mit schönem Ausblick auf die Bucht und die Festung.

Blick nach N auf Sigri u .die Festung Kirche am Ortsrand v. Sigri Blick nach S auf d. Ankerbucht v. Sigri

Am 12. 5. verlasse ich Sigri und fahre die 40sm nach Marmaro an der N-Seite der Insel CHIOS auf der eine große Zahl von griechischen Redern ihre schönen und luxuriösen Häuser haben. In dem kleinen Hafen gehe ich längsseits an die Mole.

Eine nette Hafenangestellte in Marmaro auf CHIOS...
Am nächsten Vormittag erscheint eine hübsche junge Hafenangestellte und ersucht mich mit meinen Papieren das Hafenamt aufzusuchen. Als ich kurz danach meine Papiere vorlege stellt sie mit recht fest, dass mein Transitlog auf die KIRLEKING unter britischer Flagge lautet, während ich ja jetzt unter österreichischer Flagge fahre. Sie kann mir hier kein neues Transitlog ausstellen, da ihr Hafenamt nur eine „Außenstelle“ ist und erklärt mir – auch nach tel. Rücksprache mit dem Hafenamt in der etwa 30km entfernten Stadt Chios – dass dies nur dort erledigt werden kann.
Da es in Marmaro keinen Rollerverleih gibt und auch keine regelmäßige Busverbindung nach Chios besteht, ersuche ich sie mir ein Taxi zu bestellen. Als ich das Hafenamt verlasse um in einem Café auf das Taxi zu warten, kommt sie mir plötzlich nach und macht sich erbötig mich in ihrem Wagen nach Chios mitzunehmen, da sie ohnehin dort zu tun hat. Ich willige gerne ein und wir fahren in ihrem Kleinwagen die z.T. imposante in den Felsen gehauene Küstenstrasse entlang nach Chios. Sie spricht gut englisch und erklärt mir unter anderem, dass sie gerne einmal die Türkei besuchen möchte aber weder ihr noch ihrem Mann, der beim Militär Dienst versieht, ist ein Besuch in der Türkei gestattet....!Als wir im Hafenamt in Chios eintreffen, erklärt sie mein Problem ihrem Vorgesetzten und ich erhalte gegen Bezahlung einer geringfügigen Verwaltungsgebühr ein neues Transitlog für die KIRLEKING – nun unter österreichischer Flagge!

Marmaro v. Norden gesehen (CHIOS) Hafenpromenade in Marmaro Rederdenkmal in Maramaro

Die KIRLEKING in großer Gefahr...
Als ich per Taxi wieder in Marmaro eintreffe ist mittlerweile starker S-Wind aufgekommen, der die KIRLEKING mit ihrer Breitseite voll gegen die Mole drückt. Es ist zu spät – ich kann die Mole nicht mehr verlassen und konzentriere mich darauf das Boot optimal abzufendern. Mittels 2 kräftiger Springs die ich so umleite, dass ich sie mit den Winschen dichthohlen kann, unterdrücke ich weitestgehend die Eigenbewegungen des Schiffes und damit verbunden ein Hochsteigen bzw. Herausdrücken der Fender aus ihrer Lage zwischen Mole und Schiffsrumpf. Auf diese Weise gelingt es mir dass das Boot die starken Böen mit bis zu etwa 33kn vorwiegend durch eine Wippbewegung quittiert wobei sich die Masten über die inzwischen vom überkommenden Wasser völlig nasse Mole neigen.
Ich stehe große Angst aus, dass der Wind noch weiter zulegen könnte wodurch das Fendervolumen meiner 7 großen Fender nicht mehr ausreichen könnte um den Bootsrumpf von der Mole ausreichend abzuhalten. Das tritt allerdings zum Glück nicht ein, jedoch hält der Wind fast die ganze Nacht über mit dieser Stärke an wodurch ich kaum zum schlafen komme. Als er gegen 4 Uhr früh nachlässt und es gegen 6 Uhr plötzlich fast windstill ist, beeile ich mich meinen Platz zu verlassen. Vorher fülle ich jedoch noch rasch meinen Wassertank aus dem Hahn an der Mole auf und spritze auch das Deck ab. Letztendlich verlasse ich diesen Platz mit einem tiefen Gefühl der Erleichterung an dem ich im Jahr 2001 – im Gegensatz zu diesmal - problemlos und völlig ruhig gelegen bin...!Falls ich diesen Hafen wieder einmal besuchen sollte, werde ich nur bei absolut stabiler Wetterlage an die Mole gehen oder ansonsten mich in der Bucht vor Anker legen, was auch erlaubt ist.

Weiter zur S – Spitze von CHIOS...
Es ist Freitag der 14.5. und ich laufe bei ruhigem und sonnigem Wetter die karstig-felsige W-Küste von CHIOS entlang nach S. Um 1400 Uhr erreiche ich meinen vorgesehenen Ankerplatz nahe der S-Spitze der Insel. Dort befinden sich 3 völlig einsame aber hübsche und sichere Ankerbuchten und ich wähle mir davon die im W gelegene aus, da sie besseren Schutz gegen Wind aus NW bietet. Da mein Dingi-Motor immer wieder trotz einwandfreier Kerzen stottert, baue ich den Vergaser aus und reinige diesen mit Benzin. Nun läuft er wieder einwandfrei. Am nächsten Tag erwache ich nach einer herrlich ruhigen Nacht gegen 0800 Uhr und die Sonne blinzelt bereits durch die Fensterabdeckungen.

„ Sorry, sorry...here soon bumm bumm....!“
Als ich gerade Überlegungen anstelle diesen Tag in dieser schönen Bucht zu verbringen und auch eine Inselwanderung zu unternehmen, höre ich plötzlich näherkommenden Motorlärm. Kurz darauf vernehme ich ganz aus der Nähe auch Stimmen. Plötzlich erstirbt das laute Motorgeräusch und jemand klopft heftig an mein Boot. Sofort eile ich hinaus und sehe mich 2 Soldaten in Tarnanzügen und einem Militärschlauchboot (mit vorne montiertem kleinem Maschinengewehr) gegenüber, die beide bei meinem plötzlichen Erscheinen rasch ihre Kappen aufsetzen. Während der eine von ihnen nur immer wieder „sorry, sorry...“ ruft, kommt es vom anderen ganz aufgeregt: „Here soon bumm, bumm....“!Ich hab verstanden und bedeute ihnen, dass ich den Platz sofort verlassen werde.

Weiter zu der „sturmumtosten“, von Felsklippen umgebenen FOURNOI - Inselgruppe...
Etwa 10 Minuten später bin ich bereits unterwegs und steuere nun die FOURNOI Inseln im SW von SAMOS an. Es war wahrscheinlich auch schon höchste Zeit diesen (noch) so friedlichen Platz zu verlassen, denn beim wegfahren kann ich in einiger Entfernung bereits ein Kriegsschiff vorbeiziehen sehen...! Der aus NE kommende und für mich daher günstige Wind nimmt im Verlauf des Tages immer mehr zu und erreicht schließlich bis zu 30kn wobei sich kurz vor dem Erreichen der großteils aus schroffen Felsenformationen bestehenden Inselgruppe hohe steile Wellen bilden, die KIRLEKING so richtig zum „surfen“ bringen. Ich steuere die Ankerbucht Chrisomilia an der W-Seite nahe der N-Spitze der Hauptinsel an, muss jedoch feststellen, dass die Wassertiefen in dieser Bucht schon relativ nahe am Ufer bereits um die 30m liegen und daher für ein frei schwoijendes Ankern zu tief sind.

Passage zw. Inseln Diapori u. Phimaina Der Hauptort Fournoi Auf Fournoi

Danach laufe ich nach W und steuere die enge Durchfahrt zwischen den Inseln Diapori und Phimaina an. Es weht nach wie vor mit bis zu 30kn und ich muss sehr aufpassen, da ich mich annähernd auf Dwarskurs und auch auf Legerwall befinde und je näher ich den Felsklippen komme die Wellen deutlich höher und steiler werden und mich auch eine nach S gerichtete Strömung stark versetzt. Ich setze so viel Segel als die KIRLEKING unter diesen Umständen gerade noch vertragen kann. Schwer wird der Bug immer wieder von hohen steilen Wellenkämmen getroffen und Wassermassen überfluten das ganze Deck – sogar bis ins Cockpit. Ich bin völlig durchnässt, da ich es verabsäumt habe mich rechtzeitig entsprechend anzuziehen. Nach einiger Zeit kann ich jedoch erleichtert feststellen, dass ich trotz Wellengang und Strömung sogar etwas Höhe gewinnen kann und bald darauf kann ich nach S abdrehen und passiere die nur etwa 100m breite Durchfahrt zwischen den beiden genannten Inseln. Nun steuere die mir schon bekannte Ankerbucht Kambi an. Leider muss ich nach erreichen dieser Bucht aber feststellen, dass der stark böige Wind nun aus NW einfällt und es mir dadurch auch nach zweimaligem Ankerausbringen nahe eines Felsvorsprunges nicht gelingt eine sichere Lage des Bootes (für die Übernachtung) zu erreichen. Letztendlich laufe ich die etwas südlicher gelegene Bucht Marmaron an, in der ich im Schutz einer Felswand bei allerdings fast 20m Tiefe einen ausreichend sicheren Unterschlupf finde obwohl ein relativ unangenehmer Schwell in die Bucht steht.

Der defekte Dingi-Motor bringt mich in Bedrängnis...
Gegen 1500 fahre ich mit dem Schlauchboot an den Strand um mich an einer windgeschützten Stelle zu erholen und zu baden. Kurz bevor ich den Strand erreiche, stirbt der Motor ab und ich muss feststellen, dass die Ursache im Kühlsystem liegt, da kein Kühlwasser austritt - eine äußerst unangenehme Situation - da ich infolge des seitlich einfallenden, stark böigen Windes die KIRLEKING rudernd nur schwer wieder erreichen werde. Ich hoffe, dass sich der Wind gegen abend etwas legen wird, was aber leider nicht der Fall ist. Gegen 1800 versuche ich es trotzdem und nur unter großer Anstrengung und völlig geschafft erreiche ich das Boot. Ich ärgere mich sehr, da der Außenborder vor meiner Abfahrt aus KORFU zum Service gegeben worden war und man dabei wahrscheinlich nicht den Impeller gewechselt hat was jetzt höchstwahrscheinlich die Ursache für diese Störung ist. Im Laufe der Nacht gehen immer wieder starke Fallböen von den steilen Felsen auf die KIRLEKING hernieder aber ich habe in Anbetracht der großen Wassertiefe meine ganzen 100m Ankerkette ausgebracht und vertraue im übrigen auch meinem letztes Jahr erworbenen „Jambo“- Anker voll und ganz.

Weiter zur Insel PATMOS...
Eigentlich wollte ich noch 1-2 Tage auf den FOURNOI - Inseln bleiben aber ohne Beibootmotor bin ich stark gehandicapt und beschließe daher schon am nächsten Tag, es ist der 17.5., zur etwa 20sm entfernten Insel PATMOS aufzubrechen. Bei schönem Wetter und nur mäßigem N-Wind sehe ich schon von weitem die hoch auf einem Berg thronende eindrucksvolle Klosterfestung und bald danach lasse ich um 1145 in der tief einschneidenden Bucht von Skala Patmou, dem Haupthafen von PATMOS, den Anker fallen. Sofort rudere ich mit dem Dingi an Land. In einem Bootszubehörgeschäft verweist man mich wegen der Motorreparatur an die Werft Patmos Marine die im südlichen Teil der südlich von Skala Patmou befindlichen Grikou-Bucht liegt. In etwa einer knappen Stunde fahre ich mit der KIRLEKING dorthin und gehe vor den weiträumigen Werftanlagen vor Anker. Mittels der mir genannten Telefonnummer trete ich mit der Werft in Kontakt und es wird vereinbart, dass ich den Motor zur Werft bringen soll.

Schöne Grikou-Bucht auf PATMOS Hans u. Lore mit d.3Enkerln(AMEL-S/Y) Klosterfestung auf PATMOS

Eine eindrucksvolle Demonstration einer gut geführten Werft...
Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen bin ich voller Misstrauen in bezug auf die Effizienz griechischer Werkstätten, doch was nun folgt straft meine Bedenken Lüge und ich kann nicht umhin das nun folgende Geschehen etwas genauer zu schildern. Als ich mit Schlauchboot und Motor die Steganlage erreiche steht dort einsam und verlassen ein Transportwägelchen für den Motor. Während ich noch das Boot festbinde und mir überlege wie ich den doch fast 30kg schweren Motor auf den Wagen hieven werde, kommt ein Arbeiter im Laufschritt (jawohl im Laufschritt!!) daher, hievt ohne Umschweife den Motor gekonnt auf den Transportwagen und schiebt diesen so rasch über die weite offene Anlage, dass ich Mühe habe zu folgen. Wir durchqueren eine Halle und erreichen dann eine blitzblank saubere Werkstätte, die in der Ecke der nächsten Halle eingerichtet ist. Da ich mein Problem schon telefonisch geschildert habe, weiß der Arbeiter Bescheid und beginnt sofort den Motorschaft abzumontieren. In etwa 10min ist das erledigt und wir beide stellen fest, dass der nun freiliegende Impeller völlig in Ordnung ist. Auch ich habe mich mittlerweile aus meiner Fachliteratur schlau gemacht und weiß, dass – wenn nicht der Impeller – es dann der Thermostat sein muss (oder nat. auch verstopfte Leitungen).Plötzlich taucht (wie ich nachträglich erfuhr) der „Chef“ - es ist einer der beiden Werftinhaber - in Arbeitskleidung auf, nimmt dem Arbeiter wortlos das Werkzeug aus der Hand und beginnt nun seinerseits den Thermostat auszubauen was sich allerdings als schwierig erweist, da dieser ganz offensichtlich noch nie inspiziert worden und daher völlig korrodiert ist. Nach weiteren 10min ist aber auch das erledigt und ein sicherer Griff in eine der vielen Laden zaubert einen neuen Thermostaten hervor. Während der „Chef“ noch am Thermostat arbeitet, beginnt der Arbeiter bereits den übrigen Teil des Motors mit Konservierungsfett einzusprühen und nach etwa weiteren 10 min ist der Motor wieder zusammengebaut.....und ich bin sprachlos! Als aber nun der „Chef“ den Motor einfach schultert und zu einer mit Wasser gefüllten Tonne trägt um ihn zu testen, bin ich restlos beeindruckt. Wie erwartet läuft der Motor bestens und daraufhin bringt ihn der Arbeiter ins Schlauchboot während ich beim „Chef“ die übrigens sehr angemessene Rechnung begleiche.
Als ich bereits ins Boot steigen will, mache ich wieder kehrt und informiere mich über die Höhe einer Liegeplatzgebühr für die KIRLEKING , denn wenn ich je die Absicht hätte meinen Liegeplatz zu wechseln, käme diese von 2 Brüdern (der eine macht den technischen und der andere den kaufmännischen Bereich) und deren Vater offensichtlich bestens geführte Werft zweifellos in die engere Wahl.

Vier Tage in der Grikou – Bucht und Skala Patmou....
Da es mir in der Grikou-Bucht und dem in knapp einer Stunde zu Fuß erreichbaren Ort Skala Patmou so gut gefällt, bleibe ich volle 4 Tage – bis zum 21.5 - in dieser so angenehmen Bucht. Ich marschiere jeden Tag nach Skala Patmou, besuche kurz vor dem Erreichen des Ortes ein sehr nettes Internet-Café mit schönem Ausblick auf die weite Bucht, plaudere angeregt mit der netten Besitzerin und lasse mir in Skala Patmou u.a. wieder einmal einen „griechischen Sträflingshaarschnitt“ verpassen. Ich weiß nicht woran es liegt - die griechischen Männer haben im Allgemeinen einen ganz normalen Haarschnitt - aber jedesmal wenn ich hier zum Friseur gehe komme ich mir danach wie ein entlaufener Sträfling vor...! Aber zum Glück dauert es bis zum BWR (Blue Water Race) in der Türkei, wo mich wieder die ersten Bekannten sehen werden ja noch 2 Wochen...!
Den Besuch der eindrucksvollen im Jahr 1088 zu Ehren des hl. Johannes gegründeten Klosterfestung erspare ich mir diesmal. Anstatt dessen will ich dem kleinen Apokalypse – Kloster mit der Grotte der hl. Anne, das etwa auf halbem Weg zur Klosterfestung liegt und wo der Sage nach der hl. Johannes die feurigen Worte der Apokalypse von seinem Jünger aufschreiben ließ, besuchen. Als ich jedoch nach mühsamem Fußmarsch dort anlange, hat inzwischen ein Kreuzfahrtschiff im Hafen angelegt und die Kreuzfahrtteilnehmer die mit Bussen und Taxis hierher gebracht wurden, bilden bei meiner Ankunft bereits eine lange Schlange vor dem Kloster...! Demnach verschiebe ich den geplanten Besuch des Klosters auf „nächstes Mal“, genieße jedoch den eindrucksvollen Ausblick von diesem hoch gelegenen Ort.
Am 19.5. werde ich von den belgischen Eignern einer S/Y mit denen ich ins Gespräch gekommen war zum Abendessen am Schiff eingeladen. Der Kapitän „Carlo“ ist Italiener und Koch aus Leidenschaft! Er zaubert ein köstliches Lamm-Couscous hervor und als Nachtisch gibt’s flambierte Bananen in Cognac – Sauce...!

Mein Ankerplatz im S v. LIPSOS Der Ort Lipsos „Mein Insel-Atoll“ nahe KHAVALA

„Karibikflair“ auf LIPSOS...
Am 21. 5. mache ich einen „Ausflug“ zur Insel LIPSOS und bleibe dort 2 Tage. Ich verbringe eine Nacht in einer Bucht an der S-Spitze der Insel nördlich der kleinen Insel LERA und die darauffolgende vor Anker im Hafen von Lipsos. Untertags erforsche ich vorsichtig die kleine z.T. von Riffen bzw. Untiefen umgebene kleine Inselgruppe im Bereich der Insel KHAVALA, die nur etwa 1,5 sm südlich von LIPSOS liegt. Ich entdecke einen bezaubernden Ankerplatz, der auf der S-Seite von einem kleinen „Insel-Atoll“ und einem Riff und an der NW-Seite von einer Bucht mit kleinem aber sauberem Sandstrand einer ebenfalls kleinen Insel begrenzt wird. Die „pyramidenförmige“ kleine Insel an der S-Seite ist mit kleinen Bäumchen bewachsen, die das Aussehen von Minipalmen haben und ich fühle mich fast wie in der Karibik...! Das Wasser ist glasklar und ich schnorchle natürlich ausgiebig. Es ist ein schönes Gefühl hier die Seele baumeln zu lassen. Ich verbringe den grossteil der beiden Tage hier, begebe mich aber abends immer an die vorerwähnten Ankerplätze, da mir eine Übernachtung in „meiner Karibikbucht“ doch etwas zu riskant erscheint.
Am 24. 5. fahre ich gegen 1600 wieder zurück in die Griko – Bucht auf PATMOS und lerne dort „Hans und Lore“, ebenfalls mit einer AMEL-Yacht unterwegs, kennen. Sie haben ihre 3 ganz bezaubernden Enkelkinder mit (2 Mädchen und ein Bub), die ich am nächsten Tag zu einem Kurzbesuch auf der KIRLEKING einlade.

Weiter zur Insel LEROS...
Als ich am 25. 5. um 1530 in die große Ankerbucht O. Alintas an der E-Küste der Insel LEROS aufbreche, hat sich das Wetter wieder eingetrübt und es bläst aus N mit etwa 20 kn. Starke Fallböen aus wechselnden Richtungen lassen die KIRLEKING in der weiten Bucht stark schwoijen , sodass ich am nächsten Tag – nach einem Aufstieg zu der imposanten Johanniterfestung Kastro aus dem 14. Jhdt. sowie einem Besuch des Ortes Agia Marina, am späten Nachmittag meinen Ankerplatz in die etwas südlicher gelegene Pandeli – Bucht verlege. Hier ist der Liegeplatz zwar etwas ruhiger aber trotzdem verlasse ich diesen am nächsten Morgen um mir auch noch die an der S-Spitze der Insel fjordartig tief einschneidende Ankerbucht Xerocambo anzusehen. Diese Bucht gefällt mir sofort so gut, dass ich spontan beschließe zu bleiben und auch den ganzen nächsten Tag hier zu verbringen. Außerdem lerne ich „Horst und Karin“, ein nettes deutsches Ehepaar mit einer amerikanischen S/Y kennen und wir verbringen gemeinsam mehrere Stunden in einer gut geführten Taverne am Ufer. Sie haben ihren Liegeplatz in der Marti Marina (am Ende des Hisarönü – Golfes) in der Türkei und berichten mir schwärmerisch über die Marina und das angrenzende Segelrevier. Für mich sind diese Informationen sehr wertvoll, da ich ja genau in dieses Gebiet (und dann weiter nach Marmaris) möchte.
Zu Fuß mache ich auch einen Ausflug in den etwa 4km entfernten In einer tief einschneidenden Bucht an der W-Seite der Insel gelegenen Hafen Lakki und besichtige auch die im E-Teil der Bucht gelegene Evros-Werft. Weder der in der weiten Bucht gelegene Hafen, noch die Werft sagen mir besonders zu.

Die Johanniterfestung auf LEROS Horst u. Karin im O. Xerocambo (LEROS) Der kl. Hafen Agia Marina im O. Alintas

Eine gute Tat: Die Rettung eines Schlauchboots....
Als wir gerade wieder einmal in der Taverne sitzen, bemerkt Karin ein in Richtung offenes Wasser abtreibendes Schlauchboot und einen Mann der diesem nachschwimmt aber keinerlei Chance hat, das Boot zu erreichen. Sofort eile ich zu meinem allerdings etwa 200m entfernten Dingi und hole das Boot, das inzwischen schon weit abgetrieben ist, sowie den Schwimmer, der sich mittlerweile erschöpft an meiner Ankerkette angeklammert hat zurück und bringe beide zu ihrem Schiff. Es ist jedoch merkwürdig, dass dieses mit Namen „Gordon Knod“ keine Flagge führt und auch der offensichtliche Eigner kaum ein Wort englisch spricht, als ich ihn samt Dingi zu seinem Boot zurückbringe. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass er kein Grieche ist, sondern aus einem unserer östlichen Nachbarländer stammt. Er sagt auch kaum ein Wort des Dankes...!
Am Samstag den 29.5. breche ich um 0825 zur Vulkaninsel NISYROS auf. Bei schönem Wetter aber mäßigen Wind fahre ich an der W-Seite der Insel KALIMNOS entlang, umrunde die W-Spitze von KOS und kann bereits um 1430 noch einen der beiden freien Plätze an der Mole im Hafen von Paloi ergattern. Ich nütze den nächsten Tag dazu aus meinen Dingiboden im Heckbereich zu kleben, da hier etwas Wasser eindringt.

Der Hafen Paloi auf NISYROS Der Vulkankrater auf NISYROS, der in einer weiten Ebene (rechtes Bild) liegt

Vor 2 Jahren war ich schon einmal hier und habe zu Fuß die beiden hochgelegenen Orte im Inselinneren sowie den eindrucksvollen Krater der etwa in Inselmitte in einer tiefen weiten Ebene liegt, besucht. Der weitgehend ebene Kraterboden ist zwar heiß aber teilweise gerade noch begehbar. Zu schaffen machten mir damals jedoch die sowohl im Kraterinneren als auch in dessen näherer Umgebung auftretende intensive Schwefeldämpfe, die v.a. die Schleimhäute angreifen und die sich in der Gluthitze des Tages natürlich ganz besonders unangenehm bemerkbar machten. Wenn man jedoch den Kraterbesuch per Bus, Roller oder Taxi durchführt, ist das weniger schlimm da man dann diesem Umfeld wieder rasch entkommen kann.
Mein Schiffsnachbar im Hafen ist ein englisches Ehepaar mit einer franz. „Mikado“–S/Y (ca. 17m!).Von ihnen bekomme ich u.a. als besonders wertvolle Information den Namen, die
Adresse und die Tel. No. des entsprechenden „Agenten“ in Datca (Türkei), den man mit der Durchführung der Einklarierungsformalitäten betrauen kann.
Und so breche ich am Montag den 31.5. voll gespannter Erwartung zu meinem ersten Türkei-Besuch mit der KIRLEKING auf und steuere bei ruhigem und schönem Wetter als erstes Ziel den 30sm entfernten Hafen Datca an...!

Liebe Grüsse
Erich Bichlbauer

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